Gewürzinsel Sansibar

Von Dar Es Salam haben wir die billigste Fähre rüber nach Sansibar genommen und wurden freundlicherweise in den VIP Bereich hochgegraded. Wow haben wir gedacht, wir lucky guys. Aber es stellte sich recht bald raus, das der VIP Bereich nicht das ist was wir uns erhofften. Es war ein ganz normaler Raum mit Sitzen und einem Plasmabildschirm auf dem in schlechter Qualität ein tansanischer Kampffilm gezeigt wurde. Man stelle sich den schlechtesten Nachahmer von Jacky Chan vor, der mit Laserwaffen aus der Zukunft um Lehmhäuser in Tansania läuft und Gangstern die vor den Lehmhütten sitzen und ihre Sonnenbrillen putzen hinterher jagt, sie stellt und dann die Laserwaffe wegwirft um die Gangster mit seinen bloßen Händen zu erledigen. Leider hat kein einziger dieser Schauspieler ein Funken schauspielerisches Talent :-) Das sagen auch die Einheimischen mit denen wir über den Film sprachen.
Im Nicht-VIP-Bereich der Fähre saßen ungefähr 1500 andere Menschen. Es war kaum möglich sich auf der Fähre zu bewegen. Überall saßen und lagen Menschen, Mütter mit Kindern, alte und junge. Also waren wir bewegungstechnisch auf unsere zwei Plätze beschränkt – von wo aus wir direkte Sicht auf den Film hatten.
Nach etwa vier Stunden erreichten wir den Hafen von Sansibar Stadt. Ein Tumult von Händlern und Reisenden empfangen uns und wollten uns Wazungus wieder einmal die besten und preiswertesten Hotels zeigen. Da unsere Kleider im Rucksack noch immer, oder vielmehr mittlerweile, unbeschreiblich stanken wollten wir nur schnell raus aus der Stadt und in eine Unterkunft in der wir die nächsten Tage bleiben sollten um die Sachen zu waschen und Silvester zu feiern. Also Daladala Station gesucht und ab in den Norden. Billig aber wieder einmal afrikanisch Bus fahren – es scheint von Tag zu anstrengender zu werden sich in die Minibusse reinzuquetschen.
In Kendwa im Nordwesten angekommen erfahren wir, dass ALLES ausgebucht ist. Und ein Zelt dürfen wir nicht aufbauen da angeblich “die Regierung manchmal hier her kommt und das überhaupt nicht gern sieht”. Aha, also was machen wir denn dann? Auf einmal, etwa nach 5 Minuten erinnert sich die Hotelbesitzerin, dass sie doch noch ein Zimmer frei hat. Sie scheint den Überblick über ihre 6 Zimmer verloren zu haben :-) Dieses extrem spartanisch eingerichtete Zimmer bietet sie uns für 70 US$ an. Leider viel zu teuer für uns. Als wir ihr dies sagten und schon mit dem Gedanken spielten den Ort wieder zu verlassen fiel ihr ein, dass sie sogar noch ein Zimmer frei hat. Im Hinterhof ohne eigenes Badezimmer – für 40 US$. Die Überraschung war gelungen und wir zogen ein, da wir zwischenzeitlich erfuhren, dass über Weihnachten und Silvester alle Hotels ihre Preise beinahe verdoppelt hatten.
Schöne Strände, tolles Wasser und eine grandiose Atmosphäre ließen die ersten, unehrlichen Eindrücke, die wir von diesem Ort bekamen schnell vergessen und den Urlaub beginnen.
Tage mit Windsurfen, netten Leute und eine super “Full moon and New Years Eve” Party direkt am Strand waren die Ereignisse der nächsten Tage. Einen kompletten Tag opferten wir um unsere Wäsche zu waschen. Im Hinterhof des Hotels haben wir unsere Kleider solange in Eimern gewaschen bis kein einziger Tropfen Wasser mehr aus dem Hahn kam. Die unglaubliche Hitze machten dies nicht unbedingt zu einer Aufgabe die viel Spaß machte. Aber es war mehr als nötig.
Mit einigen Italienern wechselten wir dann am 02.01. den Ort und landeten auf der anderen Seite der Insel in Paje. Netter Ort, Kite-Surfer-Metropole der Insel aber leider auch alles ausgebucht. Nach einiger Überzeugungsarbeit bat uns der Hotelchef an, im Konferenz-Raum zu schlafen. Da wir unsere eigenen Matratzen und Moskitonetze fürs Zelten dabei haben und es uns nur darauf ankam unsere Sachen irgendwo sicher einschließen zu können, war der Deal schnell mit einem Handschlag besiegelt – 5 US$ pro Nacht für uns beide zusammen. Überglücklich darüber dass wir das günstigste und gleichzeitig größte Zimmer von ganz Sansibar bekommen hatten sprangen wir in den Indischen Ozean. Erschreckend war die Temperatur – etwa 40°C. Obwohl es an der freien Luft schon sehr heiß war, war es angenehmer nicht im Wasser zu sein :-)
Nach einigen entspannten Tagen brachen wir wieder Richtung Sansibar Stadt auf um uns eines der angeblichen Highlights in Afrika an zu schauen – Stone Town, die Altstadt von Sansibar Stadt in der sich afrikanisches mit dem europäischen, indischen und arabischen Leben mehr als an jedem anderen Ort vermischen soll.
Tatsächlich offenbarte sich uns die Stadt als wunderschön mit ihren engen Gassen die uns eigentlich nie dort hin brachten wo wir planten hinzugehen. Das war besonders nachts ein Erlebnis.
Aufgrund der Stromproblematik hat Sansibar schon seit mehr als einen Monat keinen Strom. Dies wirkt sich auch auf die Geldautomaten aus. Nur zu bestimmten Stunden sind diese eingeschaltet. Dies stellte sich für uns als Problem heraus da wir keinen einzigen Schilling mehr hatten um weder unsere Hotelrechnung noch etwas zu Essen zu kaufen. Ein sehr netter Herr aus den USA , der an der Touristeninformation unsere Misslage mitbekam, half uns mit 50 US$ aus. Er wirkte gutbetucht und sagte, er wüsste ja wie es ist kein Geld zu haben, er war eben auch mal Student. Wir sollten unseren Urlaub genießen! Bye Bye. Etwas perplex schauten wir ihm hinterher wie er mit seiner Gattin davonzog und versprachen uns, dies später auch einmal zu tun.
Am nächsten Morgen wurden wir zu einer kleinen Attraktion abgeholt, die man bei einem Besuch Sansibars unbedingt gemacht haben sollte: Eine Gewürztour. Sansibar ist als Gewürzinsel bekannt und das zurecht. Wir können jetzt behaupten schon einmal da gewesen zu sein wo der Pfeffer wächst. Die Gewürztour führte uns zu einer Gewürzfarm wo wir die verschiedensten exotischen Früchte wachsen sahen. Neben mittlerweile langweiligen Bananenstauden wurden uns die drei unterschiedlichen Kokosnusspalmen gezeigt und erklärt. Außerdem gab es Ananaspflanzen, Muskatnuss-, Karambola- und Zimtbäume, Vanilleorchideen, Nelken, Pfeffer und viele andere bei uns unbezahlbare Gewürze frisch gepflückt zum probieren.
Abends wird am Hafen das “längste Bufftet” der Welt aufgebaut. Eine Vielzahl von Köchen und Fischern bieten an etlichen Ständen ihren frischen Fang an. Von Krebs über Hai bis Thunfisch gibt es alles. Und natürlich auch Vegetarisches für Conny – die berühmte Sansibarpizza. Alles sehr lecker. Doch scheinbar nicht alles immer so richtig frisch. Nachdem sich Lars auf Wunsch von Conny überwand einen dicken, faustgroßen Krebs zu essen wurde ihm noch am Abend übel und er verbrachte die nächsten zwei Tage damit wieder gesund zu werden. Scheinbar war auch Connys Pizza nicht mehr ganz frisch. Auch sie gab sich einer ausgiebigen Magen Darm Problematik hin. Nicht der schönste Abschluss den man sich für eine Insel wie Sansibar vorstellt, aber es war alles in allem ein schöner Aufenthalt. Leider aber auch sehr teuer wenn man es mit den anderen Orten vergleicht an denen wir waren. Dies kommt daher, dass jede Woche 1200 italienische Touristen auf die Insel geflogen werden und hier Kurzurlaub machen. Es gibt mehrere “Italienische Dörfer”, große Ferienanlagen, in die man nicht eintreten darf, wenn man nicht Italiener ist. Wir haben selbst erlebt, wie uns ein Sicherheitsbeamter nach unserer Nationalität fragte und sagte, dass es sich hier um eine italienische Ferienunterkunft handelt und wir daher nicht erwünscht sind.
Mit der Nachtfähre ging es dann wieder zurück nach Dar Es Salam wo wir uns mit einigen Bekannten treffen wollten um die Stadt zu erkunden.
Gesagt getan und weiter gings nach Mtwara um einige Projekte der Kinderhilfe Tansania (Cashewnussproduktion, den Bau einer großen Schule, lokales Wasserversorgungsunternehmen) zu besuchen. Gute Nacht Dar Es Salam.

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