4471 km, 4 Länder und aus 5 wurden 6 Tage

Bus fahren wird immer mehr zu einer Art sich fort zu bewegen, die wir nicht mehr sehen können. Aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse während der Regenzeit in Mozambique mussten wir dies Land also umfahren. Wir hätten auch einen etwa zwei stündigen Flug zum Krüger Nationalpark wählen können, aber das wäre bestimmt langweilig und nicht so interessant wie eine Busfahrt von 4471 km gewesen – aber mit Sicherheit bequemer.
Einige male hieß es umsteigen und nichts lief wirklich so, wie man es uns an dem jeweiligen Busbahnhof erzählt hatte. Letztendlich sind wir müde, erschlagen aber auch gesund und munter im Kruger angekommen. Und es sollte sich schnell herausstellen, dass sich die Anreise gelohnt hat.
Inmitten der Regenzeit und zu Beginn des heißesten Monat des Jahres fangen wir hier in Skukuza also unser Praktikum im “grass and tree programm” der Universität Kapstadt an.

Worum es im Detail geht, wie und wo wir wohnen werden und wie das überhaupt alles aussehen wird wussten wir bis zum Tag der Anreise nicht. Wir wussten nur, dass wir in einem Wohnwagen oder einem Zelt in einem Research Camp wohnen sollten – mitten im Park. Das klingt spannend. “Aber ist das nicht auch gefährlich?”, haben wir uns gefragt.
Die Antwort auf diese Frage soll uns unser neuer Chef geben können. Schon nach dem ersten Arbeitstag gehen wir mit ihm joggen. Nicht im Camp, sondern einfach draußen im Park. Er zeigt uns eine wirkliche schöne Runde durch das Dorf, am Freibad vorbei, durch den trockenen Flusslauf, um den Golfplatz herum, an den Tennisplätzen und letztendlich auch am Sport- und Cricketplatz vorbei. Erstaunlich was es in einem Nationalpark alles so gibt.
Für uns war es extrem aufregend durch Herden von Antilopen und Warzenschweinfamilien um das kleine Dorf im Herzen des Parks zu laufen – für ihn ist es ganz normaler Alltag. Die Tiere sind so sehr an die Menschen hier gewöhnt, dass sie direkt neben der Strasse stehen und einen beim Vorbeilaufen anschauen. Zwei auf der Straße herumstreunernde Warzenscheine haben nicht einmal Platz gemacht. Sie haben uns angeschaut und von uns erwartet, dass wir um sie herumlaufen. Da sie neben den Warzen im Gesicht und ihren antennenartigen Schwanz auch ziemlich eindrucksvolle Hauer (sie können bis zu 60 cm lang werden) haben, sind wir auch ohne größere Anstalten ausgewichen.
Je mehr wir fragten, ob es wirklich nicht gefährlich ist, erfuhren wir, dass es “theoretisch möglich ist” einem Löwen zu begegnen, da es dort wo wir laufen keine Zäune gibt. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Löwe während der heißen Tageszeit hier aufhält, soll schwindend gering sein. Die sehr entspannte Art unseres Chefs gibt uns irgendwie ein Gefühl von Sicherheit und zwei Tage später gehen wir nochmals laufen, allein.
Diesmal jedoch werden wir von allen Leuten in ihren Autos merkwürdig angeschaut, dazu aufgefordert uns nicht außerhalb des Dorfes zu Fuß zu bewegen und schnellsten zurück zu laufen. Aiai, haben wir gedacht, vielleicht sollten wir doch ein wenig vorsichtiger sein.
Den Weg zurück traten wir über den Kruger-Golfplatz an. Hier haben wir etwa 20 m von uns entfernt noch schnell ein Krokodil beim sonnenbaden entdeckt und dann den Weg Richtung Camp eingeschlagen. In Connys Augen leuchteten wieder die Alarmblinkzeichen auf und jedes Knistern im Busch neben der Straße stellte ab dato ein potenzielles, großes, wildes und menschenfressendes Tier dar.
Wir wohnen jetzt für die nächsten 9 Wochen in einem Zelt, haben Strom, eine Terrasse und sogar einen Kühlschrank mit riesigem Eisfach, was uns mittlerweile sehr ans Herz gewachsen ist. Ohne eine gefrorene Flasche Wasser verlassen wir bei den hiesigen Temperaturen nicht das Camp. Unser mitgeführtes Fieberthermometer bestätigte uns unglaublich heiße 45°C.
Die Terrasse mit Grill, Tisch und Blick in den “Jungle” wird auch von Tag zu Tag ein spannenderer Ort sich aufzuhalten. Besonders wenn die Affen über uns durch die Bäume springen oder auch mal runter kommen und sich, wie auf diesem Bild, vor uns setzen um uns ein bisschen zu beobachten.

Es verspricht ein spannender Aufenthalt zu werden. Sehr gespannt sind wir auch auf unsere Arbeit in der Projektarbeit der Wissenschaftler. Die elementaren Zusammenhänge des Ökosystems “Savanne” aus Vegetationsperspektive werden hier untersucht um ein möglichst breites Verständnis zu erlangen. Wie das genau Aussehen wird, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen.

Wir haben wir auch wieder eine neue Telefonnummer. Wer uns aus good old Germany etwas erzählen mag, soll dies gern tun.
0027 / 79 / 60 40 927.

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