4500 km in 5 Tagen – Let’s hit the road

Am Dienstag, den 26.01. sollte unser Roadtrip von 4500 km also ins Rollen kommen. Peter holte uns freundlicherweise morgens um 5.15 Uhr ab und chauffierte uns zum Busbahnhof wo wir in den Bus nach Dar Es Salam stiegen. Etwas widerwillig und mit den schlimmsten Erwartungen (die vergangenen Busfahrten hatten uns ja so einige schlechte Erfahrungen eingebracht) suchten wir unsere Plätze. Überraschenderweise fiel uns zunächst auf, dass die Sitzreihen des Busses nicht mit 5 Sitzplätzen pro Reihe, also eng wie sonst üblich, sondern mit nur 4 Plätzen pro Reihe ausgestattet waren. Die Vorstellung, eine 12-stündige Fahrt nicht zusammengequetscht wie Sardellen in einer Büchse zu verbringen war die erste angenehme Überraschung dieses Tages. Doch unsere Meinung über Busfahrten in Tansania sollte an diesem Tag weitere positive Eindrücke gewinnen. Wir schauten wie zwei Autos als wir Bonbons, Muffins und kalte Getränke serviert bekamen. Kleinigkeiten, die eigentlich überhaupt nichts besonderes sind, für die Transportverhältnisse Tansanias aber eine absolute Seltenheit sind und zwei Backpackern, deren Ansprüche beim Bus fahren im Laufe der Zeit gegen Null gegangen sind, eine wirkliche Freude bereiten.

Was unsere Laune an diesem Tag aber endgültig in den Himmel gehoben hat, waren die Straßenverhältnisse. Wo sich auf dem Hinweg unter Wassermassen und Schlammflüssen nur eine Straße erahnen hatte lassen, befand sich heute eine relativ gut planierte und trockene Sandpiste. Die 50 km über die unbefestigte Straße konnten ohne große Probleme passiert werden und so erreichten wir bereits gegen 15 Uhr Dar Es Salam.
Glücklich darüber, die ersten 600 km so gut bestritten zu haben, checkten wir direkt am Busbahnhof in ein Hotel ein und besorgten uns ermutigt unsere Tickets zur Weiterfahrt nach Lusaka, Sambia für den nächsten Tag. Abends genehmigten wir uns noch ein Bier im modernen Sea Cliff Village.

Am Mittwoch, den 27.01. hieß es dann also wieder um 5.30 Uhr in den Bus steigen. Unsere guten Erfahrungen vom Vortag wurden nun aber wieder einmal mit einem Schlag überschattet. Der Bus, der um 6 Uhr abfahren sollte, war eine halbe Stunde vorher bereits voll. Obwohl wir Tickets gekauft und Sitzplätze reserviert hatten, durften wir nicht in diesem Bus mitfahren. Unsere Ticketverkäuferin diskutierte lange mit dem Busfahrer und versuchte uns im Bus unter zu bringen, leider erfolglos. Kurz vor 6 Uhr schulterten wir also wieder schnell unsere Rucksäcke auf und flitzen ihr über den riesigen Busbahnhof hinterher zu einem anderen Bus, der sich gerade in Bewegung setzte, laut ihr aber das selbe Ziel, Lusaka haben sollte. Während er schon die ersten Meter fuhr, kletterten wir noch hinein und ließen uns in die Sitze fallen. Um uns zu versichern, wollten wir vom Busfahrer wissen ob wir auch wirklich nach Lusaka fahren. Wie sollte es auch anders kommen – Lusaka war nicht das Ziel.
Mit heruntergeklappter Kinnlade hörten wir uns an, dass wir nur bis zur Grenze zwischen Tansania und Sambia fahren und sahen uns dabei bereits aus dem Busbahnhof rollen.
Das gelassene Gemüt der Afrikaner beruhigte uns aber schnell mit den Worten “no problem, ihr könnt heute abend an der Grenze einen anderen Bus nach Lusaka nehmen”. Also gut, die Richtung stimmte ja auch für die nächsten 800 km und der Bus in dem wir uns jetzt befanden war fast leer, so dass wir uns einmal angenehm ausbreiten konnten.

Bereits im Dunkeln, gegen 21 Uhr erreichten wir Tunduma, ein kleines Dorf direkt an der Grenze zu Sambia. Als wir uns erkundigten wo und wann wir weiter nach Lusaka fahren können hieß es dann plötzlich, dass das nicht heute, sondern einen Tag später am Abend erst möglich wäre. Supergedanke an einer Grenze mitten im Niemandsland stecken zu bleiben. Die ersten nervigen Wichtigtuer fingen bereits an uns zu umzingeln und überteuerte Hotels aufzuschwatzen. Da wir bis morgens davon ausgingen, einen Direktbus nach Sambia zu nehmen, hatten wir also auch keine tansanischen Schilling mehr um eine Unterkunft zu bezahlen. Davon abgesehen hätten wir das auch nicht eingesehen. Das Unternehmen, über das wir unsere Tickets gebucht hatten, hatte glücklicherweise auch hier an der Grenze ein kleines Büro, welches aber bereits geschlossen war, dort konnten wir uns nun also auch nicht schlau machen.
Unser Busfahrer war aber dann so nett, dass er uns im Bus übernachten ließ. Wir fuhren auf einen Parkplatz, packten unsere Schlafsäcke aus und breiteten uns auf Boden und letzter Reihe aus. Die herumschleichenden Kakerlaken störten uns nur kurz beim Einschlafen.
Wieder war es gegen 5 Uhr, als unser Schlaf durch den brummenden Busmotor beendet wurde. Der Bus musste zurück nach Dar Es Salam und wir wurden vor dem Büro unserer Ticketverkäufer abgesetzt.
Im Halbschlaf fanden wir uns schneller als uns lieb war in einer Situation wieder, die mehr als unangenehm war. Es war dunkel und kalt, es regnete und in regelmäßigen Abständen kamen sonderbare Gestalten vorbei. Wir breiteten unsere Isomatte direkt vor der klapprigen Bürotür aus, steckten uns wie die Penner in den Schlafsack und führten zusammen mit Kakerlaken und Mäusen einen Sitzstreik durch. Drei Stunden später kam unser Opfer. John, ein eigentlich ganz netter Afrikaner, der nur leider das Pech hatte für unser Ticketunternehmen zu arbeiten und sich kaum vor dem Donnerwetter zu schützen wusste, das wir auf ihn niederprasseln ließen. Wir hatten schliesslich einen Bus von Dar nach Lusaka gebucht und dafuer gezahlt. Dass wir nun an der Grenze fest steckten war alles andere als in unserem Sinn. Nach langem Hin und Her bekamen wir dann etwas Geld zurueck und konnten die Grenze zu Fuss ueberqueren um dann auf sambischer Seite einen Bus nach Lusaka zu bekommen.

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