Praktikum in der Wildnis – Teil I

Dieser Text ist als Zusammenfassung unseres Aufenthalts im Kruger Nationalpark zu lesen. Zum Schreiben sind wir im Park nicht gekommen. Es gab immer irgendetwas anderes zu tun und so haben wir es also bis heute, Mitte April, aufgeschoben. Jetzt versuchen wir uns an die wichtigsten und schönsten Situationen im Park zu errinnern.

Der Park ist von Nord nach Süd 300 km lang, grenzt an Mosambik im Osten, an Zimbabwe im Norden und gehört mit seinen 20 000 km² zu den größten Nationalparks in Afrika. Es gibt hier etwa 150 verschiedene Säugetierarten, 500 Vogelarten und 120 Reptilienarten. Mal sehen was wir davon alles zu Gesicht bekommen.

Angefangen hat alles mit dem Einzug in unser Zelt in dem “Rest Camp” in Skukuza. Skukuza ist das größte und bestausgestatteste Camp im Park. Es gibt einen eingezäunten Bereich in dem alles was ein Tourist braucht angeboten wird. Einzelne kleine Bungalow-Hütten, einen Supermarkt, einen Arzt, ein kleines Schwimmbad, ein Restaurant, eine Bank, ein Amphietheater in dem jeden Abend Tierfilme unter Sternenhimmel gezeigt werden, eine Post und sogar trinkbares Leitungswasser (dass man das aus den roten Hähnen nicht trinken darf wurde uns nach der 2 Woche mittgeteilt). Die traditionellen Rund-Hütten kann man mieten für etwa 15 Euro pro Nacht pro Peron und von hier in dem Camp kann man auch Safaris und andere Aktivitäten buchen.

Als nächstes wäre da das Stuff-Village (Mitarbeiter-Dorf). Hier haben die Menschen, die den Park managen und die, die hier arbeiten ihre Häuser. Das Stuff-Village ist nicht eingezäunt und die Tiere (überwiegend Antilopen, Warzenschweine und Hyänen) laufen hier auf der Straße herum und scheinen sich sehr gut an das Zusammenleben mit den Menschen gewöhnt zu haben. Hier gibt es einen Cricket-Platz, einen nahgelegenen Golfplatz und ein Schwimmbecken in dem auch wir öfters unserer Nachmittage verbrachten um der Sommerhitze des Februars zu entgehnen.

Ab und zu sollen hier auch schon Leoparden gesehen worden sein. Wirklich schlimm ist dies aber erst zwei mal in den vergangenen ca. 20 Jahren geworden. Ein Junge der auf seinem Heimweg eine kleine Abkürzung nahm und dadurch eine Straßenecke durch einen Trampelpfad abkürzte, ist von einem Leoparden angefallen und gefressen worden. Der andere Vorfall ereignete sich als eine Frau während der Morgendämmerung im Dorf joggen war und dabei ebenfalls das gleiche Schicksal erlitt wie der Junge.

Dann gibt es noch einen weiteren Bereich. Das “Compound”. Hier leben die Arbeiterinnen und Arbeiter die hier in den Restaurants und dem Supermarkt sowie als Reinigungspersonal arbeiten. Das Compound könnte man auf deutsch wie eine Vorstufe des Slums oder einer heruntergekommenen Arbeitersiedlung beschreiben. Hier leben ausschließlich Schwarze.

Als letztes wäre da noch das Research-Camp zu erwähnen. Dies ist ein kleiner eingezäunter Bereich in dem Besucher und besser verdienende Arbeiter wohnen und teilweise auch arbeiten. Hier gibt es kleine Häuschen, Wohnwagen und Zelte. Wir als Besucher sind in eines der Zelte eingezogen. Das Zelt ist für längere Aufenthalte konzipiert. Es hat einen Kühlschrank und zwei Matratzen – ist also sehr gemütlich für ein Zelt. Nach einer ersten Prüfung der Umgebung haben wir festgestellt, dass alle anderen Zelte fast doppelt so groß waren wie unsers. Und dann stellte sich auch noch heraus, dass in den Zelten jeweils nur eine Person wohnt. Nach der ersten Woche stellten wir fest, dass es doch sehr schön gewesen wäre, wenn wir auch ein großes Zelt gehabt hätten. Dann hätten wir eine Tür gehabt und keinen Reißverschluss zu dem man sich vor und nach jedem Betreten des Zeltes bücken muss, wir hätten einen Tisch und einen Schrank gehabt und ein großes Vorzelt unter dem man auch bei Regen hätte sitzen können ohne naß zu werden. Aber wir sind ja in den vergangenen Monaten in Afrika sehr genügsam geworden und gespannt auf den Aufenthalt und freuen uns hier sein zu können.

Hier auf dem Camp haben wir sehr schnell Freunde gemacht. Am einfachsten und irgendwie auch am unkompliziertesten war die Meerkatzen-Familie. Diese Affen sind kleine lustige Zeitgenossen, die nicht sehr scheu sind und auch mal auf unserem Tisch saßen und uns das Brot stohlen. Wir haben das große Glück gehabt, dass diese Familie hier fast täglich vorbeizog. Fünf Affen, davon zwei Babys sind über, hinter, vor und neben uns ständig durch die Bäume gesprungen und haben auf dem Rasen gespielt. Anfangs waren die jungen noch eher unbeholfen aber um so öfter wir sie sahen, desto größer und bessere Kletterer wurden sie. Es war eine wahre Freude an der Aufzucht der kleinen dabei zu sein.

Als es mit unser Arbeit losging haben wir uns richtig gefreut nach fünf Wochen mal wieder etwas anderes zu machen als “nur” zu reisen. Die ersten Tage haben wir das Team des Tree&Grass Programme noch bei ihrer Arbeit unterstützt und dann bekamen wir unsere eigentliche Aufgabe.
Es geht darum zu untersuchen welche verschiedenen Strategien sich die verschiedenen Baumarten durch evolutionäre Prozesse angeeignet haben, um die hier oft auftretenen Buschfeuer möglichst unbeschädigt zu überstehen. Da man dies nur über statistische Verfahren ermitteln kann, heißt es also möglichst viele Daten zu sammeln.

Eine typische Arbeitswoche bestand aus einigen Tagen “im Feld” an denen wir möglichst viele Bäume beprobten. Wir standen morgens gegen sechs auf um um sieben das Camp zu verlassen. Im Büro beluden wir den Pickup und dann fuhren wir zu den sogenannten “Exclosures”. Sie sind etwa eine Stunde vom Camp entfernt. So hatten wir jeden morgen eine eigene Safari. Mit den erlaubten 50 km/std (hier wird sogar geblitzt und die Strafen sind überdurchschnittlich hoch!) fuhren wir also Richtung Süden zur Arbeit und trafen auf der Straße alles mögliche an Tieren. Die Straße von Skukuza nach Pretorioskop wurde uns von einigen Leuten als “sicherste Route im Park für erfolgreiche Tierbeobachtungen” empfohlen – unser Weg zur Arbeit.

Mal war es eine Herde Büffel, mal eine Eule, ein Adler, ein Chamäleon, Leoparden, Antilopen, Kudus, Hyänen, Giraffen, mal sieben Nashörner auf einmal und immer wieder Dickhäuter die auch gern mal die Straße versperren und die Geduld der Urlauber testen.

Ein kleiner Ausflug in die Geschichte der Kruger Elefanten ist an dieser Stelle interessant. Der Kruger Park ist schon lang kein natürlicher Park. Er wird gemanaged mit allem was dazu gehört. Die Wasserlöcher werden gemanaged, die Verbreitung der Tiere wird über Geburtenkontrolle und gezieltes Abschießen gemanaged und auch Umsiedlungen von Tieren findet statt. Anfang 2007 hat die Südafrikanische Regierung einen Managementplan verabschiedet, der Elefanten quasi zum Abschuss freigibt. Natürlich nicht für jedermann, sondern nur der Ranger darf in seinem Bezirk Tiere töten.
Ein Grund dafür ist unter anderem, dass man im Park kaum noch einen gesunden Baum finden kann, da die Elefanten ziemlich verschwenderisch damit umgehen. Sie kippen sie um, fressen ein paar Blätter oder ein paar Stücke der Rinde und gehen zum Nächsten. Diesen graben sie halb aus beißen einige male von der Wurzel ab und ziehen auch hier weiter. Viele Bäume sterben auf diese zerstörerische Art sich sattzuessen. Und Elefanten essen viel – etwa 300 Kg pro Tag pro Tier.
Das Abschießen von Elefanten ist weltweit ein Thema. Viele sagen, man darf sie nicht töten und man soll sie “natürlich” leben lassen. Aber da in dem Nationalpark das natürliche Migrieren der Tiere durch Zäune verhindert wird, kann keine “natürliche” Dezimierung der Herden stattfinden. Viel Geld fließt in das Managen der Elefanten, da er einer der Big-Five ist somit wichtiger Teil der Touristen-Attraktion. Sie ziehen Jahr für Jahr etwa 1 Mio. Besucher in den Park und somit auch viel Geld. Wie das “richtige” managen der Elefanten aussehen soll ist eine ungeklärte Frage und die Antwort kommt immer darauf an, was der Mensch will. Das besonders schwierige bei Elefanten ist, dass man nicht einzelne Tiere der Herden töten kann. Wenn man die Zahl der Tiere reduzieren will, dann muss man immer eine gesamte Herde töten, da sie ein sehr gutes Gedächtnis haben und Emotionen empfinden, sich teilweise an Menschen rächen können und somit auch die Besucher gefährden können.

Ein Gespäch mit einem Wissenschaftler der sich auf Motten und Insekten spezialisiert hat, gab uns zu denken. Er sagte, es seien unvorstellbare Mengen Geld die in die Untersuchungen und Managementmaßnahmen von Elefanten fließen. Der Elefant ist aber nur eine einzige Tierart. Es gibt neben diesem jedoch eine Vielzahl an anderen Säugetierarten und über 3000 Mottenarten. Und niemand kümmert sich um sie. Niemand managed sie. Man ist sich nicht einmal sicher, dass man alle Motten- und Schmetterlingarten entdeckt hat. Aber niemand würde nur einen Bruchteil von dem Geld investieren was für Elefanten verbraucht wird. Ist das korrekt?!

Unser Arbeitsort, die Exclosures, sind extra für Wissenschaftszwecke eingezäunte Gebiete, in denen sich angeblich keine Tiere aufhalten sollen. Es fühlt sich ein wenig an wie Jurassic Park in einem Exclosure zu sein, dass umgeben ist von einem drei Meter hohen Elekrozaun. Öfters haben wir auch Löcher im Zaun gesehen. Ein Kollege sagte uns, dass in dem einen Exclosure schon öfters eine Nashornfamilie gesehen wurde. Und wir selbst haben uns einmal fast zu tode erschrocken als plötzlich ein Kudu-Männchen einige Meter vor uns stand. Langsam verstanden wir woher die Löcher im Zaun kamen. Glücklicherweise haben wir nie mit einem Löwen in einem solchen Exclosure gestanden. Mit mehr als einem Taschenmesser, einer Säge oder einem Messchieber hätten wir uns nicht verteidigen können.
Wie schon erwähnt ist der Februar der heißeste Monat im Jahr. Dieser Umstand ließ unsere Feldarbeit teilweise zu einer wahren Tortur werden.
In der brütenden Hitze bei etwa 40°C und kaum Schatten mit einer Handsäge Bäume fällen, mit einem Meißel Rinde- und Holzproben aus dem Baumstamm herausschlagen und mit Messschieber und Maßband die Größe von Baum, Stamm, Rinde usw. messen war ziemlich fordernd.
Neben diesen “days in the field” gab es noch die “lab days”. An diesen Tagen waren wir im Labor und haben die Proben untersucht. Hierzu gehörten die Feststellung der Dichte des Holzes, und des Wassergehaltes der einzelnen Proben. Diese sehr monotone Arbeit wurde noch schlimmer als wir erfuhren, dass die Klimaanlage kaputt sei und wohl auch nicht repariert wird. Welcome to Africa again.

2 Antworten zu „Praktikum in der Wildnis – Teil I“

  1. Andre sagt:

    Hallo Lars, hallo Conny, sind gerade auf euren Blog-Beitrag gestoßen. Leider haben wir keine direkte Kontakt-Möglichkeit auf eurem Blog gefunden. Hätte ein paar Rückfragen zu dem Beitrag und würde diese gerne persönlich per E-Mail stellen. Wäre super, wenn ihr kurz Kontakt zu uns aufnehmt!

  2. Tanja sagt:

    Hey ihr zwei,

    was für tolle Tierfotos….

    Freu mich auf nächste Woche :-)

    Genießt eure letzten Tage,
    LG Tanja

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